Aus Eins mach Drei
Nachverdichtung Einfamilienhaus
Realisiert, 2026

Westfassade mit Anbau

Westfassade mit Anbau

Aus einem Einfamilienhaus wird ein Drei-Parteien-Haus

Ein Haus für drei Parteien

Die erste Anfrage klang nach einem sehr kleinen Projekt: Das pensionierte Ehepaar Seiberth fragte uns an, ob wir ihnen im Erdgeschoss anstelle der Gästetoilette ein richtiges Badezimmer einbauen könnten. Im Hinblick auf das Alter stelle die steile Treppe in die Obergeschosse des grossen Einfamilienhauses ein Hindernis dar.

Mit einer kleinen Machbarkeitsstudie überzeugten wir die Eigentümer, das Projekt weiterzudenken und ihre aktuelle und zukünftige Wohnform zu hinterfragen: «Braucht ihr überhaupt so viele Zimmer für euch zu zweit?» Nach familieninternen Rücksprachen und verschiedenen Runden mit der Bank stand das Projekt fest: Aus dem Einfamilienhaus wird ein Drei-Parteien-Haus! Im Erdgeschoss wohnt weiterhin das Eigentümerpaar, neu ohne Schwellen und mit einer bodenebenen Dusche. Das Hochparterre könnte – wenn je notwendig – mit einem einfachen Treppenlift rollstuhlgerecht erschlossen werden. Im ersten Obergeschoss entsteht die Option für eine Zweizimmerwohnung. Anstelle des ehemaligen Bades wird eine Küche vorgesehen, das neue Bad befindet sich im Anbau. Unter dem Walmdach befindet sich ein grosses aber niedriges Reduit, welches ein eigenes Kellerabteil ersetzt. Im Dachgeschoss entsteht eine Studiowohnung mit der wohl schönsten Kochnische in ganz Arlesheim.

Das Wohnhaus stammt aus dem Jahr 1931. Bei der Gestaltung orientierten wir uns bewusst am Bestand, ergänzten diesen aber selbstbewusst und zeitgemäss: Der Putz des ausgefachten Holzbaus nimmt die Farbgebubg des Kellenwurfputzes auf, ist aber in einer feineren Körnung ausgeführt. Die tragende Holzstruktur des Anbaus ist unmittelbar sichtbar, sie wird verwittern und Patina annehmen. Schwer lastend auf einem grossen Findling ist der Anbau eine eigenständige Ergänzung, der sich dennoch dem Haupthaus unterordnet.

Der Umbau ist maximal flächenökonomisch: Ein dreigeschossiger Anbau mit einer Grundfläche von lediglich 6,8m2 an der strassenabgewandten Seite nimmt alle Funktionen auf, die den jeweiligen Wohneinheiten auf den Geschossen fehlen: Im Erd- und Obergeschoss wird jeweils ein Bad ergänzt, im Dachgeschoss eine kompakte Küche. Während die intimeren Bäder mittels schmaler Fenster auf der Nord- und Südseite belichtet werden, wird im Dachgeschoss die Aussicht zelebriert: Der unverbaubare Blick gen Westen lädt dazu ein, bei Sonnenuntergang zu kochen! Das weit auskragende Vordach setzt die Linie des bestehenden Dachhimmels fort und der Ortgang wird um den Anbau herumgeführt. Der gesamte Umbau fand in bewohntem Zustand statt.

In der Schweiz gibt es rund eine Million Einfamilienhäuser, wovon rund 55% nur von einer oder zwei Personen bewohnt werden. Personen über 65 Jahren belegen im Schnitt mehr als doppelt so viel Wohnfläche wie Personen unter 35 Jahren. (Quelle: BfS, 2024)

Ein liebgewonnenes Eigenheim mit Garten im Alter aufzugeben, ist jedoch emotional schwierig und finanziell oft wenig attraktiv. In diesem Projekt haben wir gemeinsam mit dem Eigentümerpaar einen Weg gefunden, der ihnen langfristig den Verbleib in den eigenen vier Wänden sichert und ihnen mittelfristig ein zusätzliches (Miet-)Einkommen ermöglicht. Anstelle von zwei Personen können nun bis zu fünf Erwachsene unabhängig voneinander im Haus leben. In Zeiten, knappen Wohnraums wird das halb leere Einfamilienhaus zu einem lebendigen Mehrparteienhaus.

Mitarbeit Architektur: Sarah Barth, Michiel Gieben

Statik: Von Ah Tragwerksplanung

Baumeisterarbeiten: Inan Group

Zimmerei: Zimbas

Fassade: K-Gipser

Fotografie: Weisswert, Claire Morin

Sockeldetail mit Findling

Holzständerbau aus regionalem Fichtenholz

Klappbarer Spiegel mit Blick ins Grüne

Kompaktes Bad mit Dusche

Blick in den neuen Anbau mit Bad

Blick ins die bestehende Küche und das neue Bad im Erdgeschoss

Kochnische der Studiowohnung mit Blick ins Laufental

Erdgeschoss

Obergeschoss

Dachgeschoss